das Leben eines Faulencers

Und was machst du so in dein­er Freizeit?

Wenn du diese Frage nicht mit zumin­d­est ein­er „beson­ders inter­es­san­ten“ Tätigkeit, oder am besten noch, ein­er „die dich von anderen abhebt“ beant­wortest, dann..

… tust du alles in dir mögliche um diese den­noch so zu beant­worten …

Dein Gehirn spukt dir in diesen paar Sekun­den Über­legungszeit eine Anzahl an poten­tiellen Antwort­möglichkeit­en aus, die dich — zumin­d­est ein biss­chen — bess­er darstellen lassen, als es die Wahrheit tun würde.

Je nach Sit­u­a­tion und Charak­ter greifen Men­schen dabei oft gerne auf fol­gende Not­fall­sant­worten zurück:

Per­son A nimmt ein Hob­by von früher her, mit der sie zwar schon Ewigkeit­en nichts mehr am Hut hat (und ihr Gegenüber wahrschein­lich auch nicht erfahren wird), aber zumin­d­est kann sie auf ihr früheres ICH zugreifen und so zu tun als ob sie diese Per­son noch wäre (klingt trau­rig, ist es auch).
Diese Per­son wird nun von ihrem Gegenüber mit diesem Hob­by iden­ti­fiziert und darf sich vielle­icht auch noch über das ein oder andere “wow” oder “ach wie toll” freuen.

Per­son B hinge­gen hebt ein aktuelles „Hob­by“, an welch­es sie sich im Durch­schnitt so alle 2 Monate immer wieder her­an­wagt, her­vor.
Dieses „Hob­by“ gibt für diesen Moment den Anschein, dass die Per­son auch tat­säch­lich was aus ihrem Leben macht. Allerd­ings ohne es all zu sehr aufzu­drück­en, denn sich vii­i­iel bess­er darzustellen als man eigentlich ist, will man jet­zt auch nicht …


Ja, was tut man nicht alles, um dieses äußerst unwohlige Gefühl als ver­sagen­den-schluffi­gen-graswurzelkreativ­en-War­m­dusch­er abgestem­pelt zu wer­den, dessen Beitrag für die Gesellschaft eine gefühlte ‑1 ist.

„Unkreative Men­schen sind am kreativsten bei der Vertei­di­gung ihrer Unkreativ­ität.“ *

Ich würde sog­ar noch einen Schritt weit­erge­hen und sagen, alle Men­schen wer­den beson­ders dann kreativ wenn es darauf ankommt, ihr Gesicht zu bewahren.

Wir sind nun mal so pro­gram­miert, in erster Lin­ie Schmerz und Unwohl­sein zu ver­mei­den und erst in zweit­er Lin­ie darum besorgt, wie wir zu Lust und Genuss kom­men.

Dafür erzählen wir uns selb­st oft Geschicht­en (dafür brauchen wir nicht ein­mal ein Gegenüber), die bere­its so weit von der Wahrheit abgedriftet sind, dass man sel­ber gar nicht mehr weiß, wer man eigentlich ist.

Wir alle tun das.

Unsere Real­ität ist so gut oder so schlecht, wie wir uns unser Leben „zurechtlü­gen“.

Wir glauben, wir sind „speziell“, oder irgend­wo „bess­er“ als andere (nur weiß es noch kein­er…).
Oder wir sind davon überzeugt anders aka „speziell“ zu sein, weil ja kein­er mein einzi­gar­tiges Lei­den durch­machen musste, oder fühlt wie ich füh­le.

Oder:
„Ich hab mein Job ver­loren, weil was besseres auf mich wartet“.
„Die Agen­tur hat mich abgelehnt, weil sie mein wahres Tal­ent nicht erken­nen“.
“Er oder sie will mich nicht, aber ist ok … ich ver­di­en was besseres”
(sry, aber kotz).

Es geht in jede erden­kliche Rich­tung. Egal ob es jet­zt stimmt oder nicht… unser Hirn lässt uns nicht im Stich die Hoff­nung in unsere Exis­tenz kom­plett aufzugeben.

Dafür kramt es die kurios­es­ten Begrün­dun­gen für eine Sit­u­a­tion her­aus, damit wir nicht glauben müssen, dass wir ein Los­er sind, waren oder bleiben (wenn wir nichts ändern).

Ach­ja… die Wahrheit. Schmerz.

Ja, die Wahrheit kann sehr häßlich sein, aber wir schmieren oft­mals noch ne Por­tion Scheiße drüber und glauben es ist Regen­bo­gen­zuck­er­wat­te.

Wenn wir aufhören wollen alles schön reden zu „müssen“, weil wir uns inner­lich eigentlich Scheiße fühlen, dann geht nur der Weg durch die eigentliche Scheiße.

Dann offen­bart sich meist sehr schnell eine neue Tätigkeit, die deine Freizeit täglich beglückt.

Und dann hast du witziger­weise meist nicht ein­mal das Bedürf­nis groß darüber zu reden.
Oder vielle­icht noch nicht.

Aber in solchen Fällen, gibt es zum Glück noch die Per­son C‑Antwortmöglichkeit:

„Oh kuck mal, ein Pferd!“

Nein? Ok, funk­tion­iert schein­bar nur bei mir.

Wenn gar nichts geht und deine kreative Seite dich kom­plett im Stich gelassen hat, so hil­ft dir eigentlich nur noch eine Ausweg­möglichkeit:

„Komm ich lad dich auf ein Bier ein!“


Am besten gle­ich 3, dann hast Ruhe.
















*Gre­gor Band