self-reflection in progress

Das Leben eines Problems

Es gibt diese eine Frage im Leben, die uns begleitet seit wir Probleme haben. Probleme die an uns nagen und ständig quengeln. Wie ein Kind, dass nach Aufmerksamkeit schreit und sich mit nichts zufrieden gibt. Nicht alle Probleme sind so. Aber die Probleme, die nicht aufhören wollen zu kratzen und zu beißen sind die, die uns diese eine Frage vor die Nase reiben. Und die, dessen Antwort wir partout nicht finden können.

Die erste Begegnung.

Probleme tauchen hinterlistig auf. Wie eine Löwin, die sich langsam an ihre Beute heranschleicht und dann im richtigen Augenblick zupackt. Sie nimmt sich Zeit. Viel Zeit. Ihre tiefen, dunklen Augen wenden sich keinen Millimeter von uns ab. Als ob sie uns, mit ihrem höchst-konzentriertem Blick, das etwas Leben das wir noch in uns tragen, aussaugen würde.
Und während sich nun dieser Todesblick fast schon zu Tode glotzt – stehen wir da: Unbekümmert und unbeholfen kauen wir an unserem Grashalm herum und nehmen kein Indiz dafür wahr, dass die Welt in wenigen Minuten nicht mehr die sein wird, die wir kennen.

Doch der Moment kommt. Und er kommt schlagartig. Wie ein Blitz, sehen wir das Problem auf einmal schnurstracks auf uns zurennen. Nein, sprinten!
Es hat uns in seinem Vorhaben festgenagelt und wir müssen nun im Schockzustand rational überlegen und entscheiden, wie wir nun am besten vorgehen sollen.

Ja … Probleme sind fies. Sie bringen uns in eine „Starre“ wo wir den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sehen.
Also laufen wir. Irgendwohin. Oder fangen an ein Loch zu buddeln. In der Hoffnung, dass wir uns irgendwann darin begraben können und wir das Problem nicht mehr im Blickfeld haben.
Aber graben ist scheisse. Es ist anstrengend, während uns das Problem weiterhin anstarrt.

Die Lebenserwartung eines Problems.

Die meisten Probleme kommen und gehen. Sie kommen für einen Tag, oder eine Woche. Manchmal hängen sie auch einige Monate mit uns ab oder sehen uns sogar Jahre beim Graben zu.

Probleme können also sehr kurz oder langwierig lange am Leben bleiben. Meist werden sie in Form eines Probemonats am Leben erhalten: Sobald ein Problem auftaucht, fangen wir wie besessen an eine Lösung zu finden. Diese Lösung testen wir dann für 30 Tage und wenn das Problem noch immer da ist, dann suchen wir eben eine neue potenzielle Lösung. Et voila, ein neues Testmonat beginnt. Das wiederholt, sich bis wir nach dem fucking 26. Probemonat endlich ein neues Problem mit dem Alten austauschen können. Willkommen im Leben eines Problems.

Ja, unser Leben ist eigentlich eine Aneinanderreihung von Problemen die gelöst werden wollen und durch dessen Lösung wir uns aber erst durchtesten müssen.
Obwohl wir keine Ahnung haben wie.
Jede Anleitung die man findet, ist entweder zu kompliziert, zu leicht, zu woohoo, oder einfach nur unmöglich umsetzbar, weil dort nichts anderes steht als „hier findest du die Anleitung nicht“.
In der fucking Anleitung!

Wie viele Anleitungen ich schon gelesen hab, die anfangs klingen wie das Gelbe von Ei, oder wie die Butter auf dem Brot, oder der Milchschaum im Cappuccino. Quasi das Halleluja im Leben!
Um nur dann wieder hinnehmen zu müssen, dass ein weiteres Probemonat mit dem selben fucking Problem auf mich wartet. Wieso kann ich nicht einfach …

Ein Problem kündigen.

Diese Probleme, die sich seit Monaten oder Jahren an uns festkrallen sind nicht nur anstrengend. Irgendwann wird man “problemsmüde“. Wir schicken dann das Problem in den Urlaub, weil uns die Ideen für ein nächstes Probemonat ausgegangen sind.
Wir sind alle Anleitungen durch. Aus. Das Problem soll jetzt Pause machen und mal selber eine Lösung zu seinem Problem finden.

Doch was wären wir ohne unsere Probleme? Immerhin geben sie uns eine tägliche Beschäftigung.

“Alles was wir im Leben doch tun, ist uns selbst zu beschäftigen, während wir gleichzeitig versuchen uns selbst zu entfliehen.”

(Naja, um ehrlich zu sein, beschäftigen wir uns, UM uns selbst zu entfliehen).

Aber wenn wir graben, machen wir nichts anderes: Wir beschäftigen uns, während wir versuchen im Boden zu versumpfen, in der Hoffnung auf dem Weg die Lösung zu all unseren Problemen zu finden. Bis wir irgendwann draufkommen …

Ein Problem kann man doch nicht kündigen.

Wenn wir also keinen Bock mehr auf ein bestimmtes Problem haben, und graben nicht hilft, und das Problem auch irgendwann vom Urlaub zurückkommt, UND wir uns schon im verkackten 1.257sten Probemonat befinden! – Dann(!) kann es nur eines bedeuten: Die Lösung die wir suchen, befindet sich in der “Goldenen Box”.

Und in ihr befindet sich auch gleichzeitig die Antwort auf die eine Frage im Leben, die uns begleitet seit wir Probleme haben.

Doch wenn sich die Box nicht 10 Meter unter der Erde befindet, wo dann? Und wenn ich aufhöre zu graben, was macht das Problem dann mit mir?
Es ist ein Gefühl, als würde ich in die tiefen, dunklen hochkonzentrierten Augen der Löwin zurückstarren. Augen die mich bereits zwischen ihren spitzscharfen Zähnen und ihrer Sabber sehen.

Ich wende mich ab und grabe weiter.

Während mich die Goldene Box weiter anstarrt.

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