Die Goldene Box (oder die Antwort auf alles)

Teil 1 in „Das Leben eines Prob­lems“

„Auf der Suche nach der Gold­e­nen Box“. So kön­nte der Filmti­tel für das Leben eines jeden Men­schen heißen.

Doch was genau suchen wir eigentlich? Den Sinn zu allem? Die Mut­ter die uns am Kopf stre­ichelt und zure­det, dass alles gut wird? Erlö­sung??

Das Leben kommt nicht nur mit Stre­ichelein­heit­en. Es kommt mit viel Scheisse daher. Scheisse die wir nicht so ein­fach „wegstre­icheln“ kön­nen. Und den­noch ver­har­ren wir darauf, dass es jemand für uns tut. Wir geben nicht auf, bis wir die „Antwort“ zu unser­er Frage — die Lösung zu unserem Prob­lem — gefun­den haben.

Die Gold­ene Box ist sehr gut ver­steckt. Wir kön­nen sie nicht ein­mal genau beschreiben, wie sollen wir sie dann find­en? Sie scheint unerr­e­ich­bar, wie die Karotte vorm Esel.
Manch­mal näh­ern wir uns ihr. Und irgend­was fühlt sich anders an. Doch wir kön­nen nicht genau beschreiben was es ist. Und genau darin liegt das Geheim­nis der Gold­e­nen Box: Sie ist nicht das was du erwartet hat­test. Das ist sie nie.

Wenn du meinst die Antwort „gefun­den“ zu haben, wirst du merken, dass du dich auf ein­mal an deine Frage nicht mehr erin­nern kannst. Sie verblasst in deinen Erin­nerun­gen und mit ihr, die Antwort. Du wirst merken, dass deine Frage und Antwort ineinan­der ver­schmelzen und nicht mehr als solch­es trennbar sind. Plöt­zlich hast du keine Frage mehr. Weil die Antwort direkt vor dir ist. Immer.

Ja es gab sie nie. Diese Gold­ene Box.
Sie ist nur eine Fata Mor­gana, die dir Hoff­nung schenkt und sagt, dass du nicht aufgeben sollst.
Denn sobald du bei ihr angekom­men bist, löst sie sich auf. Und alles was bleibt, bist du und der Raum in dem du dich befind­est. Das ist alles was ist.

Hier gibt es auf ein­mal keine Prob­leme mehr. Dieser Raum ist so still, so san­ft, so warm. Als würde man an der Ober­fläche eines Sees dahin­treiben. Sich­er und gebor­gen wirst du von den kleinen Wellen des Sees getra­gen. Doch gle­ichzeit­ig nimmst du die Tiefe unter dir wahr. Sie ist ungewiss, unsich­er und unberechen­bar.
Wie eine Frage, die Ungewis­sheit, Unsicher­heit und Angst aus­löst, so löst die Antwort Sicher­heit, Wärme und Ver­trauen aus.

Wir müssen ler­nen mit bei­den Polen weit­erzuschwim­men. Manch­mal fokussieren wir uns zu stark auf die Frage und fan­gen an wie wild im Wass­er herumzu­tram­peln und merken gar nicht, dass wir uns damit nur unnötig Kraft entziehen.
Wenn wir uns wieder in die Waa­grechte — wieder ins Ver­trauen — leg­en, kön­nen wir wieder dur­chat­men und klar denken.

Doch dies zu schaf­fen ist der harte Brock­en. Denn wenn wir uns ins Ver­trauen leg­en, geben wir die Kon­trolle ab. Und was passiert wenn wir dies tun?
Nichts passiert.
Und genau das macht uns Angst. Wir haben kein Prob­lem mehr zu lösen und auf ein­mal nichts mehr mit dem wir uns so „leiden“-schaftlich beschäfti­gen kön­nen. Wer küm­mert sich jet­zt um das Prob­lem, wenn wir ein­fach nur herumzuliegen?

Doch … Was wenn wir eigentlich erst jet­zt anfan­gen das Prob­lem zu „lösen“? Was wenn wir nun endlich das let­zte Probe­monat antreten? Ein­fach, indem wir „herum­liegen“.
Ja was wenn die Lösung des Prob­lems nicht im Tun, son­dern in Sein liegt? Ein­fach „sein“.

Sei wach­sam, aber „sei“ ein­fach mal. Und du wirst merken, dass deine Zehen auf ein­mal etwas Unbekan­ntes berühren.
Das Ufer.
Es ist neu und unge­wohnt. Und sobald du die ersten Schritte auf dem neuen Land wagst, wirst du Eines erschreck­end real­isieren: Dass du keine Ahnung hast, wie du hier­her gekom­men bist.

Und das ist die Trugs der Gold­e­nen Box. Nie­mand kann sagen, wo er sie gefun­den hat. Und ob sie über­haupt existiert. Sie war plöt­zlich da. Man hat das Zusam­men­tr­e­f­fen nie wirk­lich wahrgenom­men.

Vielle­icht wer­den wir nie wis­sen, wie man sie find­et. Alles was wir tun kön­nen, befind­et sich in diesem Moment. Alles was wir tun kön­nen ist, in unserem Gefühls-Auflauf zu baden, der Löwin tief in die Augen zu blick­en und erwartungsvoll den näch­sten Moment passieren zu lassen.
Wird sie uns schnap­pen? Wird uns unsere Gefühls-Achter­bahn inner­lich zer­reißen?
Wir wer­den sehen.

Doch eines ist klar: Wenn ich nurmehr ein Probe­monat vor mir hätte, um ein Prob­lem zu lösen..

… ich würde mich für diese Anleitung entschei­den.

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