self-reflection in progress

Wohin soll ich gehen?

Zeit vergeht. Und nichts passiert.

Ich muss etwas tun. Aber es zieht mich in keine Richtung.
Ich muss los, aber seh´ nicht wohin. Als hättest du deine Augen zugebunden und müsstest nun so, deinen Weg im Wald nach Hause finden.

Es frustriert, weil du keine Ahnung hast, ob du richtig gehst. Ob du nicht sogar in die falsche Richtung läufst. Dann wäre es doch besser stehen zu bleiben, oder?

Doch ich kann nicht stehen bleiben. Ich kann es einfach nicht mehr. Ich bin hier schon viel zu lange gestanden. Ich muss jetzt einfach wohin.
Ich versuche zu fühlen wohin es mich zieht.
Nach rechts? Nach links?
Vielleicht doch nach hinten?

Ich gehe ein paar Schritte in eine Richtung und fange an unsicher zu werden. Vielleicht wäre eine andere Richtung doch besser?

Ich komm so nicht vorwärts. Jedes Mal wenn ich in eine Richtung gehe, fühlt sie sich schon bald nicht mehr richtig an.
Ich weiß mittlerweile auch gar nicht mehr wo ich stehe. Bestimmt nicht mehr da wo ich ganz am Anfang war. Aber sehr weit kann ich auch nicht gekommen sein.

Wie sehr ich mir wünschte, nur kurz meine Augen öffnen zu können. Nur ein kurzer Blick, um mich zu orientieren.

Wie machen das die anderen? Wie gehen die andern, ohne sehen zu können? Es klingt so simple: „Geh einfach mal los! Du wirst schon merken, ob du mal abbiegen musst. Kann sein, dass du mal gegen etwas rennst, aber dann weißt du wenigstens ganz sicher, dass du eine andere Richtung nehmen musst!“

Aber wohin soll ich gehen, wenn kein Hinweis da ist? Wenn ich keinen Grund habe in eine Richtung zu gehen, kann ich genauso gut auch stehen bleiben.

Allerdings kenne ich diesen Platz schon. Auch wenn ich ihn nicht sehe, ich weiß wie er sich anfühlt:
Scheisse.
So fühlt sich “zu Hause” definitv nicht an, das ist klar.

Und was wenn das mein Grund ist? Zu gehen, einfach weil ich genug habe mich im Kreis zu drehen?

Manchmal würd ich am liebsten losrennen, einfach um diesen Platz hinter mir zu lassen. In der Hoffnung, dass mich nichts schlimmes trifft. Aber das weiß ich nun mal nicht.
Ich weiß es nicht.
Ich weiß es einfach nicht.

Nichts macht mehr Sinn. Weder gehen noch bleiben. Ohne einen Grund, ist alles grundlos.

Was will ich überhaupt zu Hause? Wieso muss ich da hin? Ständig glaube ich, dass ich schon längst dort sein müsste. Ja fast schon panisch werde ich, wenn ich merke, wie weit der Weg noch dort hin ist und wie wenig ich mich bisher bewegt habe.
Wieso fühlt es sich an, als hätte ich keine Zeit und müsste jetzt dort sein?

Alle laufen nach rechts links, rechts, dann wieder links. Das macht mich nervös, weil ich dann auch nach rechts, links, rechts links gehen möchte. Glaub´ ich zumindest.
Aber ich weiß es nicht. Ich gebe zu, ICH weiß es NICHT! Was tut man, wenn kein einziger Schritt Sinn macht!

Plötzlich blicke ich nach unten.

Ja, ich schau in der Zwischenzeit einfach mal runter. Ich schau mal was unter meinen Füßen ist. Bevor ich irrlos nach rechts oder links loszische.

Ich hocke mich hin.
Meine Hände berühren langsam den Boden und kleine Äste. Ich greife die Blätter am Boden, fühle die Erde darunter.. die paar Steinchen. So viele verschiedene Sachen liegen hier und ich bin die ganze Zeit drauf gestanden.

All diese möglichen Richtungen werden plötzlich leiser.

Was wenn ich mich hinlege?
Langsam bewege ich mich noch weiter Richtung Boden.
Ich spüre die Erde gegen meinen Rücken, ein paar Grashalme zwischen meinen Fingern.
Ich vergesse wo ich eigentlich bin.
Ich weiß gar nicht mehr von rechts, und wo links ist.
Ich vergesse, dass ich ja wo hin wollte.

Ich mach die Augen auf.

Plötzlich sehe ich etwas. Etwas, dass ich nicht erwartet hätte.

So viel Leere über mir. Und vor mir. Ich sehe nichts, und doch könnt ich stundenlang in diese Leere starren. Meine Augen saugen jede leere Stelle auf, als gäbe es so viel zu sehen.

Ich versteh das nicht. Wieso seh ich so viel, wenn doch nichts zu sehen ist?

Ich will dort hin. Ich will sehen, was dort ist.

Ich schließe meine Augen und berühre den Boden wieder unter meinen Füßen.
Und ich gehe. Langsam.
Ich sehe sie immer noch.. diese Weite, diese Leere vor mir, die meine Augen so festgenagelt hat.
Ich spüre kein links oder rechts mehr. Ich will einfach dorthin, dort direkt vor meinen Augen.

Es ist so nah aber gleichzeitig so weit. Bei jedem Schritt fühlt es sich an, als wäre ich schon dort, aber gleichzeitig geht es weiter und noch weiter. Ich kann nicht aufhören zu gehen. Ich muss wissen was dort ist.

Ich weiß wohin ich will und gleichzeitig, weiß ich es nicht. Aber ich will trotzdem weiter. Weil ich meine Augen von dieser vollen Leere nicht lösen kann. Jeder Schritt ist zaghaft aber irgendwie sicher zugleich.
Ich halte mich fest. An das was vor mir ist.

Ich halte mich fest. Denn nur so kann ich sehen, was ich sonst nicht sehen kann.

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