leere ist da um sie zu füllen

seien wir mal ehrlich…wir sind alle geschädigte kinder von geschädigten eltern. und dieser teufel­skreis wird sich ver­mut­lich nie ändern. das macht uns ja alle so wahnsin­nig unper­fekt. und solange wir irgen­deinen schaden aus unseren jun­gen jahren mit­nehmen, solange wird die welt eine unper­fek­te sein.

ich frage mich manch­mal, wer wäre ich gewor­den, hätt ich eine „per­fek­te” kind­heit gehabt, ohne jeglichen zwis­chen­fällen die mich in den glauben lassen ich wäre nicht gut genug, bin dies und jenes nicht wert, wäre zu bla oder zu blu… der übliche scheiss.

klar, auf der einen seite bringt einem diese frage über­haupt nicht weiter..allein schon deshalb weil es darauf keine antwort gibt (?). aber ich frage gern, also warum nicht auch das.

wir men­schen fühlen uns immer hinge­zo­gen zu etwas. egal was es ist, irgend­was gibt es immer von dem wir mehr brauchen und wollen, weil dieses „etwas“ uns etwas gibt das uns fehlt bzw. ein teil in uns füllt das uns bess­er fühlen lässt. dieses „etwas“ kann alles mögliche sein, aber nehmen wir jet­zt ein­fach mal ein beispiel an muse-sänger matthew bel­lamy. hier ein auss­chnitt aus einem inter­view in red­bul­letin über sein neues album drones:

„In Ihren Song­tex­ten stellen Sie eine inter­es­sante These auf: Wir sind alle Drohnen, die von Drohnen
gelenkt wer­den.“

„Stimmt, das kann man so sagen. Kon­trolle war schon immer ein wichtiges The­ma für mich. Wobei ich nicht genau sagen kann, warum. Vielle­icht liegt es daran, dass sich meine Eltern tren­nten, als ich ein Teenag­er war. Ich hat­te eine Phase, in der mein Leben völ­lig aus dem Rud­er lief – ohne, dass ich etwas dage­gen tun kon­nte. Mir wurde ein­fach die famil­iäre Gebor­gen­heit ent­zo­gen. Weshalb die Grün­dung der Band für mich nichts anderes als eine Flucht war. Und ein Mit­tel, um selb­st Herr über mein Schick­sal zu wer­den. Diese Gedanken hat­te ich auch, als es an dieses Album ging.“

für mich grad DAS beispiel, dass zeigt, wohin uns unsre innere leere brin­gen kann, wenn wir sie auch nur mit dem richti­gen füllen.

ob sich matthew fragt was aus ihm wohl gewor­den wäre, hätte er die „per­fek­te“ kind­heit und jugend gehabt? tja, ver­mut­lich wird ihm die antwort genau­so wenig inter­essieren wie diese frage..

vielle­icht soll­ten wir anfan­gen froh darüber sein, eine leere schüs­sel in uns zu tra­gen, denn das gibt uns grund nach etwas zu suchen, das uns wom­öglich am ende noch so bere­ich­ern wird, das man von unper­fekt gar nicht mehr sprechen kann.

diese schüs­sel bzw. schüs­seln wer­den vielle­icht nie zur gänze gefüllt oder sog­ar zwis­chen­durch
mal wieder vol­lkom­men entleert. und das ist auch gut so. sie geben uns raum unper­fekt sein zu dür­fen und erlauben uns, uns selb­st zu erforschen und all die möglichkeit­en wie wir unser leben gestal­ten kön­nen.

nur manch­mal (oder auch mehr als oft) greifen wir zu einem inhalt, welch­es unsere schüs­sel schon bald wieder dazu ver­an­lasst sich zu leeren und uns das gefühl gibt sie nie wirk­lich füllen zu kön­nen.

auch wenn wir uns schein­bar ver­grif­f­en haben und uns damit auf dauer auf irgen­deine weise
schaden, merke…die schüs­sel ist nach wie vor leer und sehnt sich nach dem leck­eren Inhalt der sie auch wirk­lich sät­tigt.

und wenn du mit diesen ganzen schüs­seln die leer sind und dann gefüllt wer­den um sich wieder zu entleeren nichts anfan­gen kannst…dann erin­nere dich ein­fach nur an matthew..

..oft sind es die schreck­lich­sten phasen in unserem leben die uns zu stars wer­den lassen.